Friedensnews.at

von Monika Prohaska (www.friedensnews.at)

Der Verlagstext zum Buch

“Neue Medien nehmen besonders in der Freizeitgestaltung von Jugendlichen einen immer größer werdenden Raum ein.”Erwachsenen erschließe sich diese komplexe und schnellebige Welt nur schwer. Noch schwerer sei – vor diesem Hintergrund- die Konzeption geeigneter Projekte, die auch im Rahmen der Gewaltprävention einsetzbar sind. “Häufig stehen Kinder und Jugendliche mit ihrer frei erworbenen, leider häufig fehlgeleiteten Medienkompetenz allein da.”

Pädagogen wiederum scheuten sich in diesem Bereich aktiv zu werden und “Schüler” zu begleiten, weil Kenntnisse fehlen. Entsprechend sollten, nach Ansicht der Herausgeber, “die Möglichkeiten der Fusion des Schüler- und Erwachsenenwissens im Blickpunkt dieser Veröffentlichung stehen und dazu ermuntern, sich mit den unterschiedlichen Thematiken zu beschäftigen, um ein kritisches Medienbewusstsein zu fördern.”  Dieses Buch stelle praxisorientierte Medienprojekte mit Jugendlichen dar und
behandele neben den Risiken gerade auch die Chancen der medienpädagogischen Arbeit mit Jugendlichen. Zu Wort kommen daher nicht nur Fachleute aus dem Bereich der Gewaltprävention, sondern auch Lehrer, Polizisten, Jugendschützer, Sozialarbeiter, Vertreter der Hersteller von Neuen Medien und Wissenschaftler.

Warum friedensnews.at dieses Buch empfiehlt?

Die Herausgeber Neumann und Lüpke scheinen zwei alte und äußerst kundige Hasen im Bereich der Gewaltprävention zu sein. Sie denken über den Tellerrand ihrer Stammprofessionen hinaus, d.h. sie haben ein sehr umfassendes Verständnis der sozialen, politischen und institutionellen Beziehungen, die im System der BRD und – wohl auch in Österreich und der Schweiz – eine Rolle spielen. Hellauf begeistert hat mich der erfrischende Blick auf die Niederungen deutscher Bildungs- und Jugendpolitik, die wie Österreich in der Praxis vor Ort nicht über instrumentalisierte Arbeit für kurzsichten Aktionismus hinauskommt.

Das Buch ist also für EinsteigerInnen eine sehr tiefschürfende Einführung mit einer sehr sympathischen Position zwischen Moralismus und absoluter radikal liberaler Beliebigkeit. Für andere alte Hasen haben die drei Autorinnen und 14 Autoren des Buches einiges zusammengefasst und zusammengetragen, was recht brauchbar ist. Allein die Einführung bietet eine hervorragende Orientierung für alle, die an Projekten in diesem Feld arbeiten. Die Tretminen, die Politik, Medien, Lehrer, Problemunken etc. laufend verbreiten und die Arbeit erschweren, werden deutlich benannt. Das dürfte sehr hilfreich sein für die Minimierung  der Erfahrung personaler, struktureller und kultureller Gewalt gegen GewaltpräventionsarbeiterInnen. Natürlich wäre eine Maximierung der Erfahrung personaler, struktureller und kultureller Befriedigung von Friedensarbeit mit Kindern und Jugendlichen noch besser. Da Friedenspädagogik aufgrund der Tiefenkultur im deutschsprachigen Raum wenig anschlussfähig ist, bleibt wohl nur zu raten, die Menschen dort abzuholen, wo sie sind. Die meisten Menschen haben wohl Probleme mit Gewalt in der einen oder anderen Form, und vielen ist klar, dass es wohl nie zu früh und selten zu spät ist, um Gewalt bereits bei der Aussaat zu minimieren. Das schont Flächen für den Anbau friedlicher Kulturen jenseits von Gewalt und Gewaltlosigkeit.

Was noch besser sein könnte?

Die Sprache im Buch wird nicht durchgehend konsequent geschlechtssensibel gebraucht. Eine gewisse Dominanz der Männer via sprachlicher Ignoranz des weiblichen Geschlechts ist festzustellen. Andererseits ist auch einmal erfrischend, dass viele kundige Männer das Thema behandeln. In Österreich ist Bereich der Gewaltprävention häufig eine Frauendomäne und die praktische Arbeit sowie der Resourceneinsatz ist fast ausschließlich auf Gewalt von Männern gegen Frauen verengt. Das riesige Feld der Gewalt von Frauen und Männern gegen Buben, Burschen und Männer ist aber wohl nicht nur hier zu Lande eher unbeackert.

www.schueren-verlag.de

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