Zielfisch Nr. 1 – der heimische Esox

1-225x300 in Zielfisch Nr. 1 - der heimische EsoxSeit ich 12 Jahre alt bin, das ist schon mehr als 30 Jahre her, ist der ESOX LUCIUS – der Hecht- mein erklärter Lieblingsfisch. Viele große und kleine Hechte durfte ich landen, viele verschiedene Köder und Angeltechniken praktisch erproben. Vom Ansitzangeln mit dem Köderfisch, dem Spinnfischen mit Blinkern, Spinnern und Wobblern, bis hin zum Streamerfischen auf Hecht habe ich den Kopf voll mit eindrucksvollen Erlebnissen am Wasser, die ich wohl niemals vergessen werden kann.

Ist es der 96er Hecht, der in der lauen Sommernacht den für einen Aal bestimmten Köderfischfetzen nahm oder der Meterhecht, der sich den mittelgroßen Barsch schnappte, der kurz zuvor auf den kleinen kupferfarbenen 6g-Spinner gebissen hatte? Ich weiß es nicht, Geschichten und Bilder gibt es genug. Was ich ganz sicher weiß ist, dass sich der Hecht auf so vielfältige und spannende Art und Weise befischen lässt, wie kein anderer Fisch. Und: Man fängt ihn auch! Aber nicht nur in Deutschland oder Europa – Hechte leben in vielen Gewässern unserer Erde. Eine besondere Herausforderung wartet in Nordamerika auf uns “hechtorientierte” Sportfischer: Die Muskellunge oder “Musky” – Ein naher Verwandter unseres heimischen Esox.

5-168x300 in Zielfisch Nr. 1 - der heimische EsoxGlaubt man einigen Berichten, so werden diese Giganten annähernd 2 Meter lang und an die 40 Kilogramm schwer. An der Spinnangel muss das ein beeindruckendes Erlebnis sein. Auch die unterschiedlichen Namen im nahen europäischen Ausland klingen interessant und ziegen, dass der Hecht weit verbreitet ist: Pike (Großbrittanien), Gädda (Schweden), Brochet (Frankreich), Lucio (Iatlien, Spanien) oder Snoek (Niederlande) sind nur einige der Bezeichnungen in anderen europäischen Sprachräumen. Ich möchte hier die Chance nutzen und eine Lanze für das aktive Spinnfischen auf diesen äusserst attraktiven Fisch brechen. Auch biologisch gesehen ist der Hecht mit seinen (weiblichen) 1.40m Maximallänge ein äusserst interessanter Fisch. Seine torpedoförmige Körperform und die schöne Musterung seines muskulösen Körpers zeugen von Eleganz, Kraft und Schnelligkeit. Die ungewöhnliche Anordnung der Rückenflossen, die nicht nur gefährlich anmutenden Zahnreihen (Schon mal einen Hecht mit der Hand landen müssen?) sehen toll aus. Der charaktaristische Entenschnabel toppt letztlich den Eindruck in Kombination mit einer Maulöffnung, die seinesgleichen sucht. Das alles macht den Esox zum Top-Zielfisch. Auch als Kannibale und fängiges “Großmaul” für Beutetiere (Fische, Wasservögel, Kleinsäuger), die fast seiner eigenen Körpergröße entsprechen macht er sich immer wieder einen Namen. Seiner Lebensweise entsprechend, wird er auch beangelt. Auf Beute lauernd nutzt er die Gegebenheiten des jeweiligen Gewässers aus, um effektiv und schnell aus dem Hinterhalt zu attakieren. Besondes im Sommer gehört die Oberflächenattacke eines Esox zu den ereignisreichsten Momenten am Wasser, die es zu erleben gibt. Mal wartet man selbst in Lauerstellung, dann folgt man den Fischen aktiv und macht Jagd auf den Jäger. Wie oft passiert es, dass der wirklich schöne Fisch einem das Herz erweicht und für die Reproduktion zurück gesetzt wird? Passiert dies nicht, schmeckt der Hecht vorzüglich in den verschiedensten Zubereitungsvarianten. Nur ganz einfach (wie eine Bratwurst) grillen sollte man ein eiweißreiches, dafür fettarmes Hechtsteak nicht. Das schnell zu trockene Fleisch schmeckt dann nicht mehr, zudem wird man diesem super Fisch und dem Aufwand, den man mit dem Fang in der Natur getätigt hat, nicht gerecht.

7-300x168 in Zielfisch Nr. 1 - der heimische EsoxAber, und das muss ich sagen, das Schlimmst am Hechtfischen ist die Zeit. Nein, nicht die Zeit am Wasser. Die Schonzeit ist gemeint. Das Warten auf den Start der Saison zieht sich in den meisten Bundesländern bis in den Mai hinein. Und was machen wir im Jahr 2012 in dieser Zeit? Früher wurde das Gerät gepflegt, Vorfächer gebaut oder Schnüre überprüft und die neuesten Kataloge gewälzt. Der Gang zum Angelhändler, um den neuen Gerätekatalog zu holen und durch zu lesen war auch früherer Standard. Heute gibt es das Internet. Auf Webseiten und bei Youtube ergötzen wir uns an den Fängen und Angelplätzen der anderen Glücklichen Petrijünger und checken per Google-Maps, wo genau das ist. Tipps & Tricks der Profis sind ebenso zu sichten, wie die praxisorientierte Werbung von Angelsportherstellern, die auch den einen oder anderen dicken Fang machen möchten. Für dieses riesige Angebot reicht die Saisonpause während der Schonzeit natürlich nicht aus, aber….vielleicht kommt ja ein neues Video aus Eigenproduktion dazu. Ich habe mich selbst dabei erwischt, wie ich eine tolle Angelstelle am Savannah River in Georgia/USA zu finden versuchte. Dort konnte ich mit eignenen Augen 1983 einen anderen 80cm Hechtverwandten live und in Farbe am Haken meiner viel zu kleinen 1.80m Spinnrute erleben – den Gemeinen Knochenhecht (Lepisosteus osseus). Dieses sehr ursprüngliche Tier hat mich bis heute sehr beeindruckt. Dank Youtube & Co konnte ich auch die damalige Angelstelle ausmachen. Ob ich jemals wieder dort fischen werde? Wer weiß, heute geht das aber auch anders. Ich war gerade vor 5 Minuten per Wii-Kosole und Sportboot an einem nordamerikanischen Süßwassersee und haben auf einen Wobbler im Firetigerdesign eine große Muskellunge gehakt und sicher in das Boot gebracht – 23 Kilogramm und 1.34m lang. Na Petri, das geht doch auch.

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Marcus Lüpke

Der Autor ist Lehrender, freier Foto- und Videojournalist, Spieletester, Buchautor, Referent, Dozent und medienpädagogischer Berater.
In seiner Freizeit kombiniert er sein Wissen mit Outdoor- und Erlebnissport.
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