Kapitale Meerforelle beim zweiten Ostseebesuch

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Deutsche Ostseeküste – traumhaft schön und wild

Der Frühling naht, das Wasser erwärmt sich. Jetzt machen sich nicht nur die Meeresräuber auf den Weg in die nahrungsreiche Küstenregionen unserer heimischen Ostsee. Um den Silberbarren nachzustellen waren wir zu Dritt dabei: Christian, zum zweiten Mail an der Ostsee, Maik als erfahrener Revierkenner und Marcus, passionierter Fotograf & Spinnfischer.

Schon auf der Autobahn war für uns zu erkennen, dass der angepeilte Spot nicht befischbar sein würde: „Zu viel Wind, zu hohe Welle“, fasste Maik nach kurzer Internetanalyse kurz zusammen. Da wir mit einem PKW anreisten, waren wir flexibel – ein sehr wichtiger Punkt. Es macht wenig Sinn, wenn man viele hundert Kilometer anreist und dann nicht angeln kann, weil man unflexibel an „seinem“ Küstenabschnitt sitzt und auf besseres Wetter wartet.

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Kapitaler Silberbarren aus der Ostsee

Gleich am Anreisetag, wir fuhren unsere Unterkunft also gar nicht erst an, ging es von der Autobahn direkt ans Wasser. Erfolgsversprechend sagte unser Spezialist Maik voraus, dass wir hier Fisch erwarten dürfen. Er sollte Recht behalten und wie. Vor Ort war eine mittlere Brise auf dem Wasser und guter Wellengang. In der Analyse: Leichte Eintrübung (also Fisch hoffentlich auf Futtersuche), tagsüber Temperaturen im Plusbereich (ansteigende Wassertemperatur) und ein bedeckter Himmel – sehr gute Bedingungen. Wir Drei verteilten uns also auf einer Breite von mehreren hundert Metern und fischten ersteinmal die auf der Autobahn angestaute Vorfreude zwischen Steinen und Tangfeldern ab. Wie soll es anders sein, genau in diesem unerwarteten Moment hallte Chris`Stimme durch den Wind. „FIIIIIIISCH, der ist nicht klein„. Deutlich war die Krümmung der Lars Hansen Seatrout bis fast an die Wasseroberfläche zu erkennen. Der Tanz begann und der Fisch nahm immer wieder ordentlich Schnur. Bremse richtig eingestellt – check, leichte rückwärtige Bewegung in flaches und trittsicheres Wasser – check, Tackle hält – check.

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Das hat sich gelohnt – 10 Pfund Mefo

Runde 20m war ich durch die Tangfelder an seinen Platz herangekommen, um zu helfen. Da glitschte ich beim Zurufen von Tipps (Chris war ja erst das zweite Mal an der See) aus und segelte (Gott sei Dank ohne Wassereinbruch und Verletzung) mitten ins Flachwasser. Dank der korrekt sitzenden Wathose und Watjacke hielt sich ein Wassereinbruch aber in Maßen – ein Argument gegen die Regenjacke und Sommerwathose, eindeutig. Geht bitte nicht anders ausgerüstet ans Wasser. Als ich Chris erreichte, zeigte sich die Forelle anmutig im Wasser. Ein sehr bulliger Fisch blitzte silberfarben auf und verschwand danach wieder in Richtung Horizont. Die Bremse schrie erneut auf und der Fisch wurde zunehmend müder. Die 0.15mm Geflochtene Connect war die richtige Wahl und bändigte in Kombination mit dem Rest der Ausrüstung den Ausnahmefisch. Da war er wieder, noch eine Welle, eine Flucht……………nun konnte Chris den Fisch in Richtung Watkescher führen und „einnetzen“. Erst jetzt wurden wir der Schönheit und der unglaublichen Maße des Fisches bewusst. Der hätte niemals in einen anderen Kescher gepasst: 70cm lang und 10 Pfund rotes Muskelfleisch auf einen sehr bulligen Körper verteilt. Ein klassischer Überspringer, also ein Fisch, der in diesem Jahr nicht zum Laichen in die Flüsse aufgestiegen ist.

Was für ein Moment – es war Chris zwar nicht bewusst, aber er hatte wahrscheinlich den Fisch seines Lebens gefangen. Ich glaube, wir liegen nicht falsch, wenn wir behaupten, dass es Fische in diesem Ausmaßen nicht sehr häufig an der Angel gibt. Vor allem nicht vom Ufer aus.

Wer fängt hat Recht – wie hat er den Fisch gefangen?

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“Immer weit raus” – aber nicht an diesem Tag!

Wind und Welle ließen Maik und mich zu 25g schweren Ködern greifen, nicht so Chris. Er wollte nicht auf seinen schon vorher ins Herz geschlossenen 15g Hansen slash in schwarz-rot verzichten. Gegen den Wind kam er auch nicht wirklich weit raus, „Versuch macht Kluch“ – Jeder muss seine Erfahrungen machen. Dass er in diesem Fall eine ganz andere Erfahrung machte und den Fisch fing, welcher der Grund ist, warum jährlich tausende Angler an die Küste kommen, war nicht zu erwarten gewesen. Die kapitale Meerforelle biss im Übrigen rund 20m vom Ufer entfernt. Das zeigt mal wieder, dass die Fische gar nicht weit draußen stehen müssen. Ist auch logisch, sonst hätten die Fliegenfischer ja auch nie Glück. Total klasse, denn Chris war als Neuling überglücklich und reiste für diese Tour insgesamt rund 1200km an. Das hat sich mit insgesamt 1.20m Meerforelle in der Summe gelohnt. So soll es sein – man muss sich auch mal für die Anderen freuen! Chris blieb im Übrigen dabei und fing mit dem Slash noch eine 50iger und hatte zusätzlich ein ähnliches Kaliber wie am Tag zuvor am Haken. Jetzt entschied der Fisch den Tag aber für sich.

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Auch Dorsch gab es wieder mal satt….schöne Portionsfische von 50 bis 62cm gingen an den Haken.
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Marcus Lüpke

Der Autor ist Lehrender, freier Foto- und Videojournalist, Spieletester, Buchautor, Referent, Dozent und medienpädagogischer Berater.
In seiner Freizeit kombiniert er sein Wissen mit Outdoor- und Erlebnissport.
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