Praxistest: Casio G-Shock GBD-H1000 – die Fitnessuhr für Ausdauer- und Gesundheitssportler

In der G-Shock-Fangemeinde war sie heiß erwartet: Nun ist sie da, die Casio G-Shock GBD-H1000. Ein echtes Highlight mit einem großartigen Funktionsumfang, tollen Features und auch ein paar Kinderkrankheiten. Dazu aber später mehr.

Ich möchte mich bei diesem Praxistext vor allem mit der neuen Herzfrequenzfunktion zur Trainingssteuerung befassen – warum? Weil die Herzfrequenz DAS Mittel ist, um sein Training optimal zu gestalten. Ein anderer Grund ist natürlich, dass die G-Shock-Fangemeinde diese Funktion schon lange gefordert hat und vielleicht auch ein wenig mit ein paar Grundgedanken zum effektiven Nutzen dieser neuen zentralen Funktion der GBD-H1000 zu schätzen weiß.

Das Steuern seines Trainings mittels Herzfrequenz funktioniert allerdings nur dann, wenn man um die Prozesse im Körper weiß und die Herzfrequenzen interpretieren und richtig zuordnen kann. Dies soll in Ansätzen hier erfolgen. Dafür sollen hier jetzt keinen trainingswissenschaftlichen Ausflüge unternommen werden, vielmehr geht es darum, praxisorientiert darzustellen, worauf man achten kann.

Info: Trainingssteuerung und Herzfrequenzmessung & VO2-max .

Herzfrequenzmessung mit optischem Sensor

Das „Herzstück“ der GBD-H1000 ist der optische Sensor für die Messung der Herzfrequenz. Warum ist das für Sportler so wichtig? Die Herzfrequenz  ist quasi die gemessene Anzahl an Pulsschläge, also an Pumpbewegungen unseres Herzens. Beim Sport muss Sauerstoff über das Blut dahin gelangen, wo er gebraucht wird – also beispielsweise in die Muskulatur. Je stärker und je länger man sich belastet, desto mehr Sauerstoff wird benötigt. Ergo muss das Herz stärker arbeiten (pumpen). Wie effektiv das Herz diese Arbeit verrichtet, sagt etwas über unseren Fitnesszustand aus.

Beispiel: Ein trainierter Sportler läuft 20 Minuten mit einem mittleren Puls von 120 Schlägen pro Minute. Ein Untrainierter möchte das auch tun und läuft die gleiche Zeit  mit einem mittleren Puls von 150 Schlägen pro Minute (wir vernachlässigen mal die Strecke, die beide gebraucht hätten).

Anhand des Beispiels erkennt man, dass das Herz des Untrainierten viel mehr Arbeit verrichten muss, als das Herz des Trainierten (geringere Schlagzahl in Ruhe und bei Belastung). Im Mittel also 30 Schläge pro Minute mehr, somit dann in 20 Minuten 600 Schläge extra.

Gesundheitsorientiertes Ausdauertraining vollzieht sich im Belastungsbereich von 70-80% der maximalen Leistungsfähigkeit. Dies ist dann auch der für positive gesundheitssportliche Effekte relevante aerobe Belastungsbereich (aerob = Energiebereitstellung mit ausreichend Sauerstoff), bei höheren Belastungswerten arbeitet der Sportler anaerob, die Energiebereitstellung erfolgt mit einem Defizit an Sauerstoff – das bekannte Laktat (Milchsäure) häuft sich an, der Athlet ermüdet schnell. Leistungssportler werden die HF-Messung mittels ergänzendem Brustgurt vornehmen und Belastungstest im Rahmen ihrer Leistungsdiagnostik zu Laborbedingungen durchführen

Für den Leistungssport wird zur Diagnostik generell auf weitere Methoden, wie die Laktatmessung im Blut, zurückgegriffen. Das möchte ich aber unberücksichtigt lassen, denn die GBD-H1000 richtet sich an ambitionierte Freizeitsportler, gesundheitsorientierte Sportler und vor allem an Ausdauersportler. Dementsprechend vorweggenommen sei an dieser Stelle, dass die Stoppuhr der Uhr leider nur im Sekundenbereich misst. Damit fallen wettkampforientierte Zeitmessungen, wie wir sie aus dem Leistungssport kennen, raus. Schade (allerdings sollte das mit einem Softwareupdate sehr leicht zu ändern sein), aber Ausdauersportler brauchen solch genaue Zeitmessungen auch nicht.

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Sport-Multitalent Casio GBD-H1000

Bewertung der GBD-H1000

Positiv

  • Nachhaltig ökologisch: sehr lange Akkulaufzeit
  • Unabhängigkeit: flexibles Akkuladen (Solar und USB).
  • Langlebig: typisches robustes G-Shockmodell
  • Funktional: übersichtliche Menuführung und gut erreichbare Funktionsknöpfe (G-Shock typische Menueführung)
  • Funktional: Sehr gut lesebares Display (auch bei starkem Sonnenschein)
  • Training: Herzfrequenz entspricht palpatorischer Messung mit Stoppuhr (Vergleich mit manueller Messung per S/Min über 10 Sek. Messzeit (Multiplikation mit Faktor 6), um Fehler zu vermeinden)
  • Praktisch: Stoppuhr ist im Display gekoppelt mit der Herzfrequenzanzeige darunter (Überlastungen vermeiden, akustisches Warnsignal für HF-Frequenzbereiche ist einstellbar)
  • Sportlich: Bei regelmäßigem Training kumuliert die Uhr aus den erarbeiteten Werten Trainingsempfehlungen (Trainingsstatus, Pausen- und Erholungszeiten)
  • Schrittzähler: Der Schrittzähler funktionierte sehr zuverlässig und die angezeigte Anzahl an Schritten stimmte 100% mit den von mir (auszugsweise) mitgezählten Schritten überein.
  • Einfache Trainingssteuerung: Auf Datenbasis ermittelter realistischer VO2-Max-Wert . Achtung: Durch die höhere Geschwindigkeit weicht der Wert beim Radfahren vom theoretischen Radsport-Realwert ab.
  • Wassersport: 20 bar Wasserdichtigkeit (200m)
  •  Analyse: Mit Hilfe der App lassen sich GPS-getrackte (Glonass) Aktivitäten mit digitaler Landkarte auslesen und Bereiche mit unterschiedlichen Herzfrequenzwerten analysieren (Berg- und Talfahrten mit dem MTB, Boots- und Wanderstrecken, Laufstrecken).
  • Multifunktional: Altimeter, Barometer, Kompass, Herzfrequenz, Stoppuhr, Thermometer, Timer, Alarm, Weltzeit, Bluetooth-Notifications, Activity-Logbuch, GPS-Modul integriert.
  • Perfekte Orientierung und Planung: GPS-Modul mit App-Anbindung und digitalem Kartenmaterial (inkl. Zuordnung der HF-Werte während der gespeicherten Einheit).

Optimierungsbedarf

  • Stoppuhr zeigt nur Werte im Sekundenbereich an (1/10tel oder 1/100tel leider nicht) – Ausdauersportler brauchen eine solch genaue Anzeige jedoch auch nicht
  • qualitativ weniger hochwertige Plastikschnalle am Armband
  • Herzfrequenzmessung unter Wasser (Schwimmen) relativ ungenau. Ausreichend zuverlässig nur, wenn die Uhr sehr eng angeschnallt und fest auf dem Unterarm aufliegt (kann unangenehm sein). GPS-Kartenmaterial im Anschluss nicht verfügbar, weil der Empfang unter Wasser (und da ist der Arm beim Schwimmen die meiste Zeit) schwerlich möglich ist. In Summe zeigt die Uhr dadurch auch nicht die korrekte Streckenlänge an, die geschwommen wurde (bei exakt 1.000m Schwimmstrecke waren das in 2 Messungen einmal 730m und dann 1003m).
    Während des Schwimmens (Brustkraul) fielen mir mehrfach Messaussetzer im Wasser auf, die dann im Durchschnitt einen langsamen Puls zum Ergebnis hatten. Bei der Kontrolle der HF am Rand zeigte die Uhr allerdings immer den exakt auch manuell gemessenen Puls an (Durch den Tauchreflex sinkt unser Herzschlag ja um ca. 10 S/Min. – dies war beim Belastungspuls auf der Strecke von maximal 120 auch gut nachvollziehbar.
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Display zu klein? Mitnichten, die Solarzelle ist kreisförmig um den Anzeigebereich angesetzt

Das Uhrensdisplay könnte manchen G-Shock-Fans etwas zu klein ausfallen. Im Gesamtbild der Uhr, welches nicht “schmächtig” ist, muss man aber berücksichtigen, dass die kreisrunde Solarladefläche (analog zur Casio GPR-B1000-1ER Rangeman) eben auch zur Uhr gehört und durch die zentrale und funktionale Präsentation die Gesamtfläche des Displays verkleinert. Mir persönlich ist da nichts zu klein, die Solarladefunktion der Uhr finde ich wunderbar stimmig, alle Werte sind trotzdem gut ablesbar.

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Mittels der koppelbaren App “G-Shock move” lassen sich alle erfassten Trainingsdaten inkl. einer gps-mitgetrackten Strecke abrufen und analysieren.

Fazit: Die GBD-H1000 ist die erste G-Shock mit Herzfrequenzmessfunktion und Trainingshilfen. Grundsätzlich eine tolle G-Shock, die in einer sehr attraktiven Optik und sehr robust daherkommt. Allerdings top zuverlässig nur beim Laufen oder Jogging und Wandern. Sowohl beim Radfahren, als auch beim Schwimmen sind die angezeigten Herz-Kreislaufwerte durch den optischen Sensor nicht realistisch. Für Trainer im wettkampfsportlichen Bereich ist die Uhr durch die reduzierte Funktion der Stoppuhr nur im Sekundentakt weniger geeignet (möglicherweise durch ein Update dann schon). Die Uhr ist daher eine Empfehlung für ambitionierte Freizeit- und Gesundheitssportler, die vor allem im Ausdauerbereich (d.h. submaximale und lang ausdauernde Belastungen) trainieren.

Empfohlene Sportarten für genaue durch die Uhr ermittelte Herz-Kreislaufwerte:

– Laufsport, Jogging
– Wandern
– Radfahren mit Einschränkungen

Ansonsten ist die Uhr natürlich für alle anderen Sportarten geeignet.

Alle Infos zur G-Shock GBD-H1000

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88x31 in Praxistest: Casio G-Shock GBD-H1000 - die Fitnessuhr für Ausdauer- und Gesundheitssportler Praxistest: Casio G-Shock GBD-H1000 – die Fitnessuhr für Ausdauer- und Gesundheitssportler von Marcus Lüpke ist lizenziert unter Creative Commons Namensnennung-NichtKommerziell 4.0 international.